Geist, Würde und Fleiß

Geist, Würde und Fleiß

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Oskar Schubart @ rolf diba
Oskar Schubart @ rolf diba

Die Stadt trauert um ihren früheren Oberbürgermeister Oskar Schubart, der im Alter von achtzig Jahren nach schwerer Krankheit verstorben ist. Über seine kommunalpolitischen Erfolge hinaus hatte sich Schubart vor allem durch seinen persönlichen Einsatz für die Versöhnung mit Frankreich und Rußland einen Namen gemacht. Auch war er durch seine liberale Haltung als CSU-Politiker positiv in die Schlagzeilen geraten. Lesen Sie unseren Nachruf auf diese Persönlichkeit.

„Den Respekt vor anderen Menschen, eine sittlich-religiöse Bindung und Verantwortungsbewußtsein gegenüber der Allgemeinheit in einer freiheitlichen Gesellschaft, für deren Erhaltung man sich einsetzen muß.“ Dieses Postulat war die Antwort Oskar Schubarts, als ich ihn Anfang November, kurz vor seinem 80. Geburtstag, danach fragte, was er jungen Menschen gerne an Werten mitgeben würde. Er hat diese Werte selbst gelebt, in seinem Denken, Fühlen und Handeln.

Nicht nur sehr viele Rothenburger, auch zahlreiche auswärtige Bekannte und Wegbegleiter, nicht zuletzt aber seine Freunde in Rußland und Frankreich müssen jetzt von diesem respektablen Menschen Abschied nehmen. Er hat für die Verständigung mit Frankreich und Rußland nicht nur als Kommunalpolitiker beispielhaft gewirkt, sondern sich als ehemaliger Kriegsteilnehmer ganz persönlich mit Erfolg um die Versöhnung bemüht. Und dazu war es ihm sogar wichtig sowohl die französische wie die russische Sprache zu erlernen.

Oskar Schubart war ein geistvoller Mensch, der seine Lebenshaltung aus dem christlichen Glauben und von den großen Denkern der Antike sowie von den europäischen Philosophen und Musikern der letzten Jahrhunderte formte. Mit Freude hat er mich bei unserem Zeitungs-Interview nochmal in seine große Bibliothek geführt, dem Quell geistiger Nahrung, die für ihn gerade angesichts seiner schweren Erkrankung so wichtig war.

Unabhängig gehandelt

Oskar Schubart mit seinen Charaktereigenschaften als herausragende Rothenburger Persönlichkeit zu schildern, sagt mehr als die Aufzählung von Funktionen oder Auszeichnungen. Dass er als Bankdirektor genauso wie als OB äußerst fleißig, pflichtbewußt und akkurat arbeitete, entsprach seinem Naturell. Verbindlich, aber unabhängig ging er in schwierige Verhandlungen. Seine aufrichtige Handlungsweise und seine überzeugenden Reden verschafften ihm Respekt im ganzen Landkreis. Dass die Folgen der Gebietsreform für die Stadt nicht schlimmer wurden, ist neben Georg Ehnes und Edmund Eichler auch Oskar Schubart zu danken.

Die Bürger erlebten bei diesem Mann des Ausgleichs eine sehr ernsthafte, umsichtige Führung der Stadt. Die Aufnahme ins Städtebauförderungsprogramm ist wesentlich Schubarts Verdienst, wodurch viele Millionen in den Stadtsäckel geflossen sind. Vor allem hat die Stadt im Schulwesen, beim Krankenhaus, beim Museum wie bei Industrie und Gewerbe Schubart dafür zu danken, dass er das Gemeinwesen fürsorglich und zukunftsweisend vorangebracht hat – Stadtkämmerer Wilhelm Staudacher war ihm dabei ein engagierter Mitarbeiter und enger Vertrauter.

Oskar Schubart war zugleich ein überzeugender und für die Stadt einnehmender Repräsentant auf der internationalen Bühne. Susdal und Athis Mons sind nur die offensichtlichen Beispiele, an den soliden Beziehungen nach Japan hat er grundlegenden Anteil. Landrat Georg Ehnes hatte ihn einmal als einen „Botschafter des Friedens“ über alle Grenzen hinweg bezeichnet. Dies bezog sich auch auf das Miteinander im alltäglichen Umgang mit anderen.

Schon 1966 kam er in den Stadtrat, bereits als Bürgermeister (ab 1972) stellte er wichtige kommunalpolitische Weichen, von 1976 bis 1988 hat er die Reihe der Nachkriegs-Oberbürgermeister würdig fortgesetzt. Dies geschah auch in vielen Gremien und Verbänden, als Vorsitzender des Verwaltungsrates der Sparkasse war er ein sachkundiger Mitgestalter des regionalen Wirtschaftslebens.
Schubart blieb als Konservativer den Traditionen verpflichtet und zugleich der Moderne aufgeschlossen, in der Wurzel von liberalem Geist beseelt – ganz im Sinne seines römischen Lieblingskaisers Julian Apostata, ein Gerechter, der die christliche Intoleranz als unerträglich empfand.

Ihm war das C im Namen seiner Partei keine Floskel, sondern Verpflichtung. Dazu zählte Toleranz Andersdenkenden gegenüber und das Eintreten für deren Freiheitsrechte, auch wenn es Kommunisten sein sollten. Diese Haltung ließ ihn (Folge eines FA-Interviews im Jahre 1979) wegen seiner radikalen Liberalität – die man so konsequent bei einem CSU-Oberbürgermeister nicht vermutet hätte – deutschlandweit in die Schlagzeilen geraten. Schriftsteller wie Heinrich Böll und Luise Rinser sowie Politiker wie Stuttgarts OB Manfred Rommel oder Walter Leisler-Kiep äußerten sich unterstützend für ihn. Der scharfe Gegenwind aus der eigenen Partei machte ihn stärker.

Oskar Schubarts Menschlichkeit und seine Noblesse, mit der er sein Amt als Stadtoberhaupt ausübte, betonte man bereits in Laudatien bei seiner Verabschiedung aus dem Amt. Ebenso wie seine ständige Gesprächsbereitschaft, wobei er jeden Menschen ohne Ansehen der Person ernst nahm. Noch diesen Sommer besuchte er seine Freunde in Susdal. Vom dortigen Stadtoberhaupt A. Ryschow kam eine der ersten Beileidsbezeigungen: „Sehr viele Menschen in unserer Stadt kannten diesen würdigen Menschen persönlich. Das Andenken an Oskar Schubart bleibt in unseren Herzen” heißt es darin.

Mit ihm geht die Ära herausragender Nachkriegs-Kommunalpolitiker zu Ende. Vor kurzem erst mußte man Edmund Eichler zu Grabe tragen, Landrat Georg Ehnes war genauso wenig wie Alfred Ledertheil ein gesunder Ruhestand vergönnt. Sie alle haben an vorderster Stelle, und aus eigenem Erleben von Notzeiten heraus, das mit geschaffen, wovon die heutigen Generationen zehren. Menschen und Politiker wie Oskar Schubart, die Werte nicht vorbeten, sondern vorleben, fehlen umso schmerzlicher in unserer Gesellschaft.

Oskar Schubart ist, wie es seinem tiefen Glauben entspricht, voll Gottvertrauen im Kreise seiner Familie gestorben – in Dankbarkeit für sein erfülltes Leben, dessen Ende er bewundernswert zuversichtlich angenommen hat. Mit seiner Frau Gertrud und seiner Familie trauert die ganze Stadt um einen liebenswerten und charaktervollen Menschen.

Rolf Diba

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