Fördergeldberge

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Lernende Region © diba

„Am deutschen Förderwesen soll die Welt genesen“ lässt sich leicht sarkastisch, aber mit nachzuweisender Berechtigung formulieren, wenn man sieht, was heutzutage alles über Förderprogramme auf nationaler oder auf EU-Ebene läuft. Vieles davon ist sinnvoll, aber zu viel davon geht am Bedarf und an den Markterfordernissen vorbei.

Das wäre nicht schlimm, wenn es sich nicht um unser aller Steuergeld handeln würde. Da passt es gar nicht recht ins Bild, wenn man liest, dass die Stadt München und andere Kommunen „pleite“ sind, öffentliche Einrichtungen geschlossen werden müssen und die Kommunalhaushalte keinen Investitionsspielraum mehr haben, während für die irrsinnigsten Projekte plötzlich Millionen herumliegen. Über Näheres informiert u.a. der jüngste Bericht des obersten Bayerischen Rechnungshofes.

Schon die Verwaltungs-Bewilligungsverfahren beinhalten das Risiko einer Fehlinvestition, denn oft wird nur deshalb künstlich ein Projekt inszeniert, weil man sich mehr am verlockenden Geldbatzen als am wirklichen Bedarf orientiert.

Die „Lernende Region“ ist das jüngste bundesrepublikanische Förderwagnis – eine Richtlinie, die wenigstens viel Spielraum lässt, um regional bezogen Sinnvolles daraus zu machen. Dieser Aufgabe haben sich jetzt die Wirtschaftsfördergesellschaften Hall und Ansbach mit einem rund dreißigköpfigen Kreis Interessierter und Engagierter gestellt. Nur der Grobrahmen ist abgesteckt, die nächsten Monate muss ein überzeugendes Konzept sichtbar werden, das es rechtfertigt, dass einige hunderttausend Euro ausgegeben werden, um der Region einen sinnvollen Bildungs-Impuls zu geben.

Die Gemeinsamkeit von Württembergern und Bayern ist jedenfalls eine gute Startvoraussetzung, um vielleicht den Eingangssarkasmus in diesem Falle Lügen zu strafen. Hoffen wir es zumindest.

ROLF DIBA

Fränkischer Anzeiger, 24.7.2002

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