WORTE

WORTE

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Gottlob Haag @ rolf diba

Du liebst sie,
die Worte,
darum sprich sie
behutsam aus.

Dem Wind gehöre das Feld
und dem Regen,
doch mir sind
zum Lehen gegeben
die Worte, die ich liebe.
Aber wahr wird
was sie dir sagen
erst dann,
wenn du sie aussprichst,
daß sie dein Herz
leis und behutsam berühren.

Ich sage Abend
und meine das Schweigen.
Ich sage Nacht
und meine den Frieden,
der dir den Schlaf bringt.
Ich sage Stille
und bette darein
deinen Namen.

Ich bitte dich
um dein Schweigen,
damit ich dich hören kann,
wenn die Sonne
in den wogenden Weizenfeldern
vor meinem Fenster ertrinkt.

Laß mich hinausgehen,
wenn es Abend wird,
um mit dem Wind zu sprechen,
damit er sich nicht
einsam fühlt
und weiß,
daß einer seiner gedenkt.

GOTTLOB HAAG

Gottlob Haag ist mit seinen Gedichten, Hörbildern und Volks-Theaterstücken in fränkisch-hohenlohischer Mundart einer der herausragenden Autoren, die dem Dialekt zur Wiedergeburt verholfen haben. Bis heute lebt er in dem kleinen württembergischen Dorf Wildentierbach (nicht weit von Rothenburg), wo er 1927 als Sohn eines Korbmachers geboren wurde. Ende der fünfziger Jahre machte er als Lyriker mit ersten Beiträgen in der Lokalzeitung von sich reden, 1964 folgte sein erster schriftsprachlicher Gedichtband „Hohenloher Psalm“; in der mundartliterarischen Reihe des Rothenburger Peter-Verlages 1970 sein Gedichtband „Mit ere hendvoll Wiind“.
Rund dreißig weitere Werke schlossen sich an, wobei Gottlob Haag auch in der Hochsprache als Lyriker überzeugt. Mit seinem Volksstück in fränkisch-hohenlohischer Mundart „Blasius Heyden oder: Wie mer en Pfarr schlacht“ zeigte er wie stark die Heimatsprache auch auf der Bühne sein kann. Die Kulturkritiker zählen ihn neben Wilhelm Staudacher, dem er freundschaftlich verbunden war, zu den wenigen Autoren, die der Mundartdichtung in Franken und Hohenlohe wieder zu neuem Ansehen verholfen haben. Er ist einer, der in dieser Landschaft und seinem Dorf verwurzelt ist und doch einen weit darüber hinausreichenden Geist ausdrückt.

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