Eine Kämpferin

Eine Kämpferin

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Pauline Rahn © rolf diba
ROTHENBURG – Ihre klare Stimme und ihre ereifernde Rede hat sie bis zuletzt behalten, nun ist Pauline Rahn kurz nach dem 90. Geburtstag gestorben. Sie war eine besondere Persönlichkeit, die in dieser Stadt sehr fehlen wird.
„Ich waas jo ned wie lang mich d’r Herrgott noch do läßt” hatte sie  gesagt, als sie Ende letzten Jahres noch munter in der Rödergasse unterwegs war und die Erinnerungen im Gespräch nur so aus ihr heraussprudelten. Aber sie war dankbar für ein erfülltes Leben, das ihr bei allen Entbehrungen und Rückschlägen viele beruflich erfolgreiche und glückliche Jahre beschert hatte – eine Zeit, von der sie bis zuletzt jeden Tag zehrte.
Pauline Rahn Foto © rolf diba
Dann tauchte sie unvermittelt in ihre Jugendzeit ein, erzählte lebendig und detailliert von Schicksalsschlägen und glücklichen Momenten, ihrer großen Familie und dem Zusammenhalt – sie beklagt die heutige Schnellebigkeit und Anonymität, fehlende Nachbarschaft und Oberflächlichkeit.
Geboren 1928 in Treuchtlingen wuchs sie in Rothenburg auf, lernte in der Metzgerei Albrecht ihres Vaters, brachte eine gescheiterte Ehe hinter sich und ging ihren eigenen, mutigen Weg: über eine Kosmetikerschule kommt sie der Theaterbegeisterung näher, lernt Maskenbildnerin als Grundlage einer Karriere, die sie mit den Großen der Bühne in Berührung bringt.  Das Staatstheater Stuttgart wird ihre berufliche Heimat. Bis spät in die Nacht schminken, frisieren, Perücken herrichten für Schauspiel, Ballett und Oper.
Ihren Traum erfüllt
Ihr Jugendtraum erfüllt sich, auf Tuchfühlung mit Künstlern wie John Cranko, der das Stuttgarter Ballett weltberühmt machte. Sie wurde  Solo-Maskenbildnerin (eine Auszeichnung)  und war so gefragt, dass man sie auf Amerika-Tournee mitnahm und nach Göteborg ans Stora-Theater schickte, wo sie sogar mit Ingmar Bergmann und Liv Ullmann arbeitete.
Mit 42 Jahren schien ihr Berufsweg durch ein Augenleiden beendet. Zurück in Rothenburg betrieb sie zeitweise einen Blumenladen und half in der Goldschmiede Untere Schmiedgasse mit. Mit 52 Jahren aber wurde sie ans Staatstheater Stuttgart zurückgeholt und durfte eine zweite erfolgreiche Theaterkarriere erleben. Tourneen nach London und Rom, Athen und Moskau, (Peter Ustinov bei ihr in der Maske) gehörten dazu.
Ihrem Bruder Hermann (der unvergessene „Wurschtele”) half sie oft in seiner Wirtschaft aus. Eine zweite Krebserkrankung  im Alter galt es zu überstehen. In der Stadt traf man sie bis letztes Jahr oft unterwegs, stets sprühend vor Geist, Ideen und Gedanken, in unverblümter engagierter Rede und mit einem herzhaften Lachen.
Diesen Donnerstag um 14 Uhr  findet in der Heilig-Geist-Kirche die Trauerfeier für Pauline Rahn statt – Abschied von einer Rothenburgerin, die ein ehrlicher, starker  Charakter war, eine couragierte  Frau.   DIETER BALB
Nachfolgendes Video erinnert an letzte Begegnungen mit Pauline Rahn.

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