OB-Wahl Rothenburg: Diskussionsrunde läßt einiges offen

OB-Wahl Rothenburg: Diskussionsrunde läßt einiges offen

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Moderator Oliver Götz mit der Dreier-Runde (von links) Dr. Markus Naser, Martina Schlegl, Harry Scheuenstuhl. Foto © rolf diba
Rothenburg – Wer macht das Rennen unter den drei Bewerbern um den Chefsessel im Rothenburger Rathaus? Die Chance beim Wähler zu punkten oder  auch zu verlieren ergab sich in einer  Podiumsdiskussion vor 560 Besuchern, zu der die junge Initiative „FormatF” eingeladen hatte. Wirtschaft, Kultur, Bildung und Ökologie wurden als  Themen aufgerufen. Am Ende des dreistündigen Abends zeigten sich  viele noch unentschlossen, wem sie ihre Stimme geben wollen.

 

Die Unterschiede empfanden wohl die meisten als nicht sehr gravierend, eher die hie und da bei den Fragen auftretenden Wissenslücken einzelner Bewerber. Erstmals in der Rothenburger OB-Wahl-Historie tritt mit Martina Schlegl, 48 (für die CSU) eine Frau an. Sie stammt aus Rothenburg, ist aber Schulleiterin in Tauberbischofsheim mit politischen Erfahrungen in der CDU Main-Tauber. Gleichzeitig kandidiert sie auf Platz 1 der Partei  für den Stadtrat.

Mit Dr. Markus Naser,39,  präsentiert die Freie Rothenburger Vereinigung (FRV) den vor allem als Alt-Rothenburg-Vorsitzenden bekannten Landesgeschichtler (Lehrstuhl an der Uni Würzburg) aus Wolfsau bei Rothenburg, der bei den Freien auch für den Kreistag kandidiert. Mit seiner kommunalpolitischen Erfahrung möchte Dipl.-Ing. Harry Scheuenstuhl als ehemaliger Landtagsabgeordneter und langjähriger Bürgermeister sowie Kreisrat für die Sozialdemokraten an die Stadtspitze gewählt werden und möglichst zugleich in den Kreistag.

Im Foyer der Mehrzweckhalle informierten vor der Diskussion die Parteien. Außer den Genannten sind es noch die Grünen und die Unabhängigen Rothenburger (UR),wobei beide keine Wahlempfehlung abgeben. Die Grünen hatten bei den Wahlen 2006 mit Walter Hartl einen überzeugenden Bewerber ins Spiel gebracht, der sich in letzter Minute als Unabhängiger bewarb. Er wurde der Überraschungssieger und tritt nun nach 14 erfolgreichen Jahren nicht mehr an. Dass Walter Hartl eine gut aufgestellte Verwaltung sowie hervorragende Infrastruktur der Kommune hinterläßt, machte sich auch in der Diskussion bemerkbar, der es an gravierenden Streitpunkten mangelte.

Wohnungsknappheit

Als Moderator Oliver Götz das Thema Wohnungsknappheit aufrief waren sich alle einig, dass man etwas tun müsse, von „ gesunder Mischung” bei städtischen und privaten Angeboten war die Rede und Dr. Naser sieht bei der Stadtwerke GmbH die Möglichkeit neuen Wohnraum zu schaffen und so den Stadthaushalt zu entlasten. Harry Scheuenstuhl meint, die Stadt könne selbst bauen, für Mehrfamilienhäuser und Einfamilienbauplätze sorgen, aber auch genossenschaftliches Bauen sei denkbar. Förderprogramm gelte es zu nutzen und ein Leerstandsmanagement einzuführen wie Dr. Naser es gern hätte.

Zwei Fachleute sollten die Debatte beflügeln. Für den Kultureinstieg sorgte Volker Hirsch, der als Veranstalter des Taubertal-Festivals bekannt ist. Er sieht Bedarf in Kleinkulturbereich und spricht von verbesserungswürdigen Spielstätten, dies vor dem Hintergrund eines großen und sehr guten bestehenden Kulturangebotes, das es zu sichern gelte. Auch dazu wollte niemand widersprechen, lediglich beim Thema „Subkultur” hieß es, da verstehe jeder etwas anderes. Angeregt wurde ein Kulturfonds, um daraus Kleinere zu fördern. Ob man aus der Schrannenscheune eine neue Kulturstätte machen kann wird aus Kostengründen unterschiedlich gesehen.

Die junge Klimaaktivistin Judith Overmans befragt die Bewerber Dr. Markus Naser, Martina Schlegl und Harry Scheuenstuhl. Foto © rolf diba

Im Bildungsbereich möchte man die familienfreundliche Stadt weiter entwickeln, vor allem für neue Kita-Plätze sorgen. Nicht nur für Martina Schlegl als Pädagogin ist dieses Thema wichtig. Beim Campus fordert vor allem Dr. Naser, dass man einen neuen Studiengang nach Rothenburg bringt und eine ganzjährige Belegung mit Studenten erreicht. Mit Judith Overmans kam eine jugendliche Mitstreiterin der Klima-Bewegung auf die Bühne, die kritische Fragen stellte – auch hier gab es von den Bewerbern Vorschläge wie verbesserter Nahverkehr, Energiesparhäuser oder fahrradgerechte Stadt. Unterschiede mag es in der Prioritätsliste geben, wenn es um die Kosten geht.

Fachkräftebedarf, neue Arbeitsplätze und Digitalisierung wurden vom Unternehmensvertreter Klaus Lenkner auf dem Podium angesprochen. Im Wesentlichen seien es freilich die Betriebe selbst, die Innovationen voranbringen, die Stadt könne nur für Rahmenbedingungen sorgen – so unisono die Antworten. An die gute Lebensqualität, weiche und harte Standortfaktoren erinnerte Harry Scheuenstuhl, der auf bestehende interkommunale Zusammenarbeit verwies, nachdem auch Martina Schlegl das Miteinander von Stadt und Land hervorhob. Dr. Naser meinte, die Weltberühmtheit Rothenburgs könne ruhig als Standortvorteil  betont werden. Es gelte Allianzen zu schließen und gemeinsam mit Nachbargemeinden Gewerbeflächen auszuweisen, die aber begrenzt seien, hieß es in der Runde.

Grundsätzlich sind öffentliche Investitionen der Stadt wichtig wie sich an der gelungenen Mehrzweckhalle zeige, unterstrich Martina Schlegl bei der Schuldendiskussion. Die Frage ist, wie sich Schulden langfristig auszahlen und wo sie für die Stadtstruktur sinnvoll sind. Den Haushalt wollen alle „stabilisieren”.
Von links neben dem Moderator: Dr. Markus Naser (FRV), Martina Schlegl (CSU) und Harry Scheuenstuhl (SPD) beantworten Fragen zu kommunalen Themen. Foto: © rolf diba

Den Einzelhandel unterstützen wo es geht, ist Credo für die drei Bewerber.  Und durch das geplante Welness- und Tagungshotel auf dem alten Brauhausgelände sollen neue Gäste den Tourismus beflügeln. Natürlich wollen alle das Rothenburger Krankenhaus in seiner jetzigen Fachausstattung dauerhaft erhalten, dafür müsse man auch im Landkreis die Mittel aufbringen. Lob gab es für die Rothenburger Online-Petition, die bundesweit erfolgreich ist.

In den Schlußerklärungen präsentierte sich Dr. Naser als Unabhängiger in Nachfolge von Walter Hartl, der mit allen  Fraktionen  vertrauensvoll zusammenarbeiten will. Scheuenstuhl schloß mit einer literarischen Liebeserklärung an die alte Stadt  und Martina Schlegl betonte, dass ihr Herz für Rothenburg schlägt und sie aus Überzeugung das Amt der Oberbürgermeisterin anstrebt.

Live-Umfragen per Handy unter Saalbesuchern ergaben, dass fast zwei Drittel die Zukunft der Stadt positiv sehen (187 Teilnehmer hatten sich eingewählt). Und am Ende sagten 45 Prozent (bei allerdings nur noch 85 Abstimmenden), an der Entscheidung für ihren Bewerber habe der Abend nichts geändert, während 26 Prozent meinten, sie hätten auf eine andere als die zuerst anvisierte Person umgeschwenkt.

Wenn aber die rund 30 Prozent Unentschiedenen aus der Saal-Befragung repräsentativ wären, dann bliebe noch einiges zu tun für die OB-Bewerber, um Wähler für sich einzunehmen. Am Dienstag, 10. März, um 19.30 Uhr lädt Radio 8 zum Rededuell in die Reichsstadthalle zur letzten großen Diskussionsrunde ein. Am Sonntag, den 15. März, finden die bayerischen Kommunalwahlen statt. In Rothenburg rechnen sehr viele mit einer nachfolgenden Stichwahl.
ROLF DIBA

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