Toppler Theater bleibt zuversichtlich

Toppler Theater bleibt zuversichtlich

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Gast Klaus Pohl (links) zusammen mit Schauspielern und Regisseurin bei „Kunst". Foto © Rolf Diba
ROTHENBURG – Es war lange Zeit nicht sicher, ob das Rothenburger Topplertheater überhaupt eine 13. Spielsaison erleben würde – doch dann hat man es mit abgespecktem Programm gewagt und die erste Bilanz nach der Freilichtsaison zeigt, dass dies richtig war. Dabei mußte die kleine Profibühne im Rothenburger  Klosterhof wegen Corona mit nur 40 Plätzen zurechtkommen.

 

„Trotz drastisch gesunkener Einnahmen kommen wir nochmal über die Runden” freut sich Erich Landgraf von der Theaterleitung. Dies zeige auch wie sehr sich das Toppler Theater als besonderes Kultur-Angebot in der mit Theatern gesegneten fränkisch-hohenlohischen Region etablieren konnte, heißt es. Mit Klaus Pohl war zum Saisonabschluss ein namhafter Förderer aus der Theaterszene zu Besuch – er hatte sich für die Theatergründung engagiert.

Schließlich war schon die Gründung 2008 im Toppler-Gedenkjahr (zum 600. Todestag des großen Rothenburger Bürgermeisters Heinrich Toppler) ein Wagnis, weil es ja nicht um eine Laienbühne, sondern um ein Freilichttheater mit fest verpflichteten Schauspielern in den Sommermonaten ging. Landesweit erlebte man eher Schließungen.

Corona hat viele Kulturbetriebe ausgebremst oder gefährdet. Statt fast 140 Plätze nur noch 40 zu haben sorgte für weniger als ein Drittel an Einnahmen. Normalerweise liegt der Theater-Etat bei rund 250.000 Euro, letztes Jahr konnten mit 6200 Besuchern allein 140.000 Euro eingespielt werden, diesmal reichte es bei sieben Gastspielen und einer Eigenproduktion nur für 1250 Besucher. Strenge Auflagen mit großen Sitzabständen und Masken gehörten dazu. Dass man das Hauptstück „Kunst” von Yasmina Reza bereits in Berlin frühzeitig vorproduziert hat, erleichterte dann die Aufführung, da in Rothenburg die Probenzeit verkürzt werden konnte. Regie führte Katja Wolff, die schon einige erfolgreiche Stücke die letzten Jahre auf der Topplerbühne inszeniert hat.
Szene aus „Kunst“ von Yasmina Reza. © Rolf Diba
Beschränkungen konnten die Spielfreude nicht trüben. Die drei Darsteller Alexander Wipprecht und Stephan Schill sowie Daniel Breitfelder mußten sich zwar an die ausgedünnten Sitzreihen beim Publikum gewöhnen, hatten aber ebenso Spaß an der Produktion wie das Publikum.

Zuschüsse entscheiden

Wie Erich Landgraf und Jürgen Klatte von der ehrenamtlichen Theaterleitung feststellen, sind die staatlichen, städtischen und privaten Zuschüsse entscheidend, um die Profi-Bühne durch schwieriges Fahrwasser zu bringen. Vom Bayerischen Staat wird die Bühne jährlich mit 40.000 Euro gefördert, hinzu kommt ein ähnlich hoher Anteil der Stadt, Geld vom Bezirk und Landkreis . Außerdem kann man sich über treue private Unterstützer freuen.

 

„Dieses Jahr werden wir noch relativ gut hinbringen” betont Erich Landgraf, aber die große Sorge gilt der Frage, wie es nächstes Jahr mit Corona aussieht. „Nochmal nur mit 40 Plätzen ist die Saison dann nicht zu schaffen”, meint der Geschäftsführer. Der gemeinnützige Trägerverein „Kulturforum“ steht in diesem Jahr auch vor Neuwahlen, sieht aber das Theater gut aufgestellt, das in Marian Jaworski inzwischen einen erfahrenen Büro- und Betriebsmanager hat, der fest verpflichtet ist.
Das Theater malerisch im Innenhof des Dominikanerinnenklosters gelegen. Foto © rolf diba

Auch die fernsehbekannte Gerit Kling hat am Toppler Theater schon Regie geführt und besuchte kürzlich wieder Rothenburg. Erst im Spätherbst wird man – bei dann hoffentlich besser absehbaren Corona-Lage – für 2021 entscheiden, welche Stücke unter welcher Regie aufgeführt werden. Möglichkeiten gibt es genug. Als zweite Eigenproduktion wäre in diesem Jahr „Verliebt in Lotte“ als Uraufführung von Carsten Golbeck gestanden, ein Theaterstück mit Liedern nach Goethes Werther. Es könnte nächstes Jahr nachgeholt werden.

Klaus Pohl engagiert sich für Topplerbühne

Zum Saisonabschluss stand diesmal überraschend der bekannte Burgschauspieler, Dramatiker und Autor Klaus Pohl, der das Theater als fachlicher Ratgeber mit ins Leben gerufen hatte, nochmal kurz auf der Bühne. Der gebürtige Rothenburger lebt in Wien und New York, dazu kommen Verpflichtungen an vielen großen Bühnen (Berlin, Hamburg etc), aber auch in ZDF-Fernsehproduktionen.

Aktuell ist er mit seinem Hörbuch „Sein oder Nichtsein” (Erinnerungen an Peter Zadeks Hamlet-Inszenierung) in den großen deutschen Feuilletons im Gespräch.  2021 erscheint es gedruckt. Zusammen mit seiner Frau, der Sängerin Sanda Weigl aus New York, machte er zwischen Berlin und Wien (Auftritt im Theater an der Josefstadt) nach vielen Jahren einen Rothenburg-Besuch.

Klaus Pohl in Rothenburg. Foto © Rolf Diba

Pohl hatte in den Sechzigern beim Obsthändler Wankerl als Lehrling angefangen und ging dann nach München, um die Schauspielerei zu entdecken (später Max-Reinhard-Schule für Schauspiel in Berlin). Bald galt er als einer der erfolgreichsten deutschen Dramatiker. Sein berühmtes Stück „Das alte Land“ von 1984 ist aktueller denn je: es geht um Konflikte zwischen Flüchtlingen und Alteingesessenen. Es wurde an vielen großen Bühnen gespielt. Mit dem Roman „Die Kinder der preußischen Wüste“ machte er 2011 von sich reden. Die Liste ist lang, was seine Rollen anbelangt – der Horatio in Hamlet sei vor allem genannt. Doch trotz seiner großen Erfolge ist der 68jährige immer seiner Heimatstadt Rothenburg treu geblieben, hier konnte kürzlich seine Mutter den 90. Geburtstag feiern.

Rothenburg ist sogar als Theaterstadt in einem historischen Deckengemälde am Burgtheater verewigt, berichtet Klaus Pohl. Der Maler Ernst Klimt (1864 – 1892) hat dort „Hanswurst auf der Jahrmarktbühne” am Herterichsbrunnen verewigt. Die Weltbekanntheit Rothenburgs sei ideal für die neue Bühne, sagte Pohl und zeigte sich nach einem Gespräch mit dem Toppler-Theaterteam begeistert: „Meine Eindrücke sind euphorisch, für einen Theatermenschen ist mehr Glück kaum denkbar!”, strahlte er auf der Topplerbühne und möchte nächstes Jahr mit seiner Hamlet-Lesung hier auftreten. Außerdem ist sein Rothenburg-Roman im Entstehen.

Erinnerung an das Burgschauspiel in den Fünfzigern

Das Toppler-Theater hat sich in den dreizehn Jahren nicht nur einen großen Stamm an namhaften Schauspielern und Regisseuren aufgebaut, sondern auch das Theater in der fränkisch-hohenlohischen Region gut etabliert. Damit knüpft man erfolgreich an die mehrjährige Tradition des Rothenburger Burgschauspiels an, das bis 1953 (ebenfalls im Klosterareal) als professionelles Theater gegründet worden war, aber schon nach drei Jahren wegen mangelnder Unterstützung nach Dinkelsbühl zog, wo es sich zur heutigen großen Landesbühne entwickelt hat.

Erich Landgraf und Jürgen Klatte von der Theaterleitung blicken nach einem aufregenden Theatersommer zuversichtlich ins neue Jahr. Am 23. Juni 2021 könnte Premiere sein, wenn die Zeiten nach Corona besser werden. Klaus Pohl zweifelt nicht an der Rothenburger Theaterzukunft. Im Sinne von Klimts Gemälde habe das Toppler Theater mit Erfolg eine Kultur-Lücke geschlossen, Pohl: „Rothenburg ob der Tauber gehört nach wie vor zum Welttheater!“

ROLF DIBA

Der Link zum aktuellen Video mit Klaus Pohl:

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