Der Handel setzt auf Gemeinsamkeit und macht mobil

Der Handel setzt auf Gemeinsamkeit und macht mobil

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Lokal kaufen und genießen – die Weihnachtsstadt. Foto © rolf diba
ROTHENBURG – Der örtliche Einzelhandel macht mobil: Heute vormittag fanden sich die meisten der rund 70 Altstadt-Einzelhändler bei sonnigem Wetter auf dem Rothenburger Marktplatz ein, um auf ihre schwierige Situation unter Corona-Bedingungen aufmerksam zu machen. Die zentrale Botschaft an den Verbraucher dabei: „Lokal kaufen und genießen”. Zugleich wurde die Solidarität unter den Händlern hervorgehoben, die wie Oberbürgermeister Dr. Markus Naser betonte, „ohne Verschulden in große Schwierigkeiten geraten sind”.

 

Die Teilnehmer, die sich im gebührenden Corona-Abstand und maskiert auf dem Markt rund um den großen Weihnachtsbaum versammelt hatten, verkündete Initiatorin Anett Utz ihre Botschaft.  Zusammen mit dem Tourismusservice war die Veranstaltung von ihr organisiert worden. Es gehe um das Überleben des Fach- und Einzelhandels in der Einkaufsstadt Rothenburg. Dazu brauche es viel Unterstützung und vor allem den Zusammenhalt untereinander ohne jeglichen Neid. Die Unternehmensfrau: „ Im Zusammenspiel mit Gastronomie, Hotellerie und Handel müssen wir Hand in Hand unser Rothenburg als Einkaufsstadt und historische Altstadt erhalten!” Insgesamt habe man bis zu 170 Geschäfte inklusive aller Filialen in der Gesamtstadt.

Oberbürgermeister Dr. Markus Naser sagte, es sei wichtig, dass der Handel auf seine Lage aufmerksam mache, dabei aber zugleich eine positive Botschaft sende. Er dankte den Händlern, „dass sie sich nicht einfach in ihr Schicksal ergeben, sondern für ihre Läden und die Lebendigkeit unserer Altstadt kämpfen!” Sicher zu recht würden einige Geschäftsleute „eine gehörige Portion Wut im Bauch tragen”. Auch deshalb sei es besonders erfreulich, dass es den Beteiligten an der Demonstration „um Zusammenhalt und Stärke geht”. Er hoffe, dass die Aktion nicht ungehört bleibe.

Vielfalt im Warenangebot

Die Vielfalt der Rothenburger Einkaufskultur hob Anett Utz heraus, die selbst einen Aufruf gestartet und die meisten Händler besucht hatte, um sie zu einem gemeinsamen positiven Signal zu bewegen. Dabei sei das Miteinander und die gegenseitige Empfehlung wichtig, denn Rothenburg könne nur dann als Einkaufsstadt wahrgenommen werden, wenn man gerade in Krisenzeiten enger zusammenrücke. Man müsse mittel- und langfristig trotz der Einbußen überleben.

In zwölf Thesen stellte man bei der Kundgebung heraus, was für den lokalen Einkauf spricht. Trotz der nur über elftausend Einwohner zählenden Kleinstadt biete Rothenburg „eine einzigartige Sortimentsstruktur” mit etlichen Spezialangeboten. Die meisten Betriebe seien Inhabergeführt und überzeugten durch die persönliche Betreuung. Und viele würden auch in der Welt des Online-Handels punkten. In der kommenden Advents- und Weihnachtszeit gehörten ansprechende Dekorationen ebenso zum Straßenbild wie die traditionellen schmiedeeisernen Ausleger.
Eindrucksvolle Demonstration der Rothenburger Einzelhändler in Corona-Zeiten. Foto @ rolf diba
Rund ein Fünftel der Läden seien Souvenirläden, ganz vom Tourismus abhängig, der aber in fast allen Geschäften in der Altstadt einen hohen Anteil ausmacht, ganz abgesehen von den Bewirtungsbetrieben und Hotels, die jetzt extrem betroffen sind von den Schließungen. Mit Arbeits- und Ausbildungsplätzen trage der Handel zum Wirtschaftsstandort bei. Betont wird, dass in Rothenburg Produkte aus „fairem Handel“ verbreitet sind. Bei lokalem Einkauf entstehe auch Vertrauen und es werde die Region gestärkt. Vieles hänge von Emotionen beim Einkaufserlebnis ab.

Selbstkritisch prüfen

Zum Referat vor dem Rathaus gehörten auch selbstkritische Anmerkungen von Anett Utz (die ihre AnRa-Mode in Rothenburg entwirft und produziert) an ihre Kolleginnen und Kollegen aus dem Handel. Jeder müsse sich fragen, ob er seinen Kunden alles biete, damit diese sich wohlfühlen und wiederkommen. Das beginne schon  bei der Hausfassade und reiche über das Schaufenster bis zum Ambiente im Laden. Zur Lokalität gehöre nicht minder „das digitale Präsentsein” auf den Online-Plattformen.

Regionaler Rundfunk und Fernsehen sowie Presse und die Vermarktung durch den Tourismusservice sorgten für gute Wahrnehmung der Handels-Aktion. Die Tauberstadt stellt sich in den nächsten  Wochen als „Weihnachtsstadt” vor und will damit nach Absage des traditionellen Reiterlesmarktes gegensteuern. Einige wenige Verkaufsbuden im Stadtzentrum soll es ebenso wie den üblichen Weihnachtsschmuck geben. Die Gastronomie kann Imbißartige Angebote im Freien machen, was aber alles weit von dem sonst gewohnten Flair des Weihnachtsmarktes mit seinen zehntausenden Besuchern entfernt sein wird.

Weitere große Umsatzeinbrüche stehen jetzt schon fest, da wirkt die Handelsaktion auch wie ein Hilfeschrei, der genauso aus den Beherbergungsbetrieben und der Gastronomie kommt. „In der Krise bleibt keiner allein, gemeinsam sind wir stärker!” gab sich nach dem guten Zuspruch bei der Kundgebung Anett Utz recht hoffnungsvoll.
                                                                                                        ROLF DIBA

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