Käthe Wohlfahrt startet wieder durch – Insolvenz abgewendet

Käthe Wohlfahrt startet wieder durch – Insolvenz abgewendet

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Käthe Wohlfahrt Weihnachtsdorf im Dezember 2020. Foto © Rolf Diba

ROTHENBURG – Das international bekannte Traditionsunternehmen für Weihnachtsartikel Käthe Wohlfahrt KG konnte das Insolvenzverfahren beenden und startet mit einigen Struktur-Veränderungen sowie zwanzig Entlassungen wieder durch. Firmenchef Harald Wohlfahrt freut sich, dass der Geschäftsbetrieb in Familienhand bleibt und nach der  Sanierung „solide und gesund an die dritte Generation weitergereicht werden kann.”

Kurz vor Weihnachten 2020 hatte das Unternehmen mit der Insolvenz-Nachricht überrascht, was nicht nur für die Firmenpartner und Beschäftigten, sondern auch für die Stadt ein Schock war. Oberbürgermeister Dr. Markus Naser hatte gar von einem „Fanal für die Altstadt” gesprochen. Die Bedeutung der Firma für den Tourismus der Stadt und die Wechselwirkung ist unbestritten. Wohlfahrt-Werbung international ist zugleich Werbung für Rothenburg. Hoffnung hatte gemacht, dass es zunächst ein sogenanntes Schutzschirmverfahren war, bei dem die Aussicht auf Sanierung realistischer erschien.

Umso erfreuter konnte vor Tagen die Nachricht aufgenommen werden, dass es mit verhältnismäßig erträglichen Veränderungen nun weitergeht. Voraussetzung dazu war vor allem, dass die Gläubiger beim Amtsgerichtstermin am 10. März dem Insolvenzplan mit großer Mehrheit zugestimmt haben. Die ungesicherten Gläubiger sollen eine Insolvenzquote von 37 Prozent erhalten.  Sachwalter Rechtsanwalt Volker Böhm spricht von einem guten Ergebnis mit überdurchschnittlicher Quote. Damit ist der Weg frei für die zügige Beendigung des gerichtlichen Verfahrens und die Fortführung des Geschäftsbetriebs durch die Familie Wohlfahrt.

Ladenschließungen und Entlassungen

Um die Zukunftsfähigkeit herzustellen seien jedoch strukturelle Veränderungen unerläßlich, wozu auch Entlassungen und Ladenschließungen gehören. Von den 280 fest beschäftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verlieren 20 ihren Arbeitsplatz.

Es werden 6 von 22 ständigen Läden in Deutschland geschlossen, darunter sind allein fünf Souvenirgeschäfte, so dass damit das Kerngeschäft des Weihnachts- und Geschenkartikel-Herstellers und Vertriebs kaum berührt ist. Es gelte das Geschäftsportfolio zu optimieren und sich verstärkt auf den Betrieb der „ganzjährigen Weihnachtswelten” auszurichten. An den internationalen Standorten in England, Spanien, Frankreich, Belgien und den USA werde festgehalten. Ebenso an den vielen saisonalen Verkaufsstellen im In- und Ausland.

Der Standort Rothenburg als Firmensitz steht dabei weiter an erster Stelle und zwar nicht nur mit dem Weihnachtsdorf und den weiteren Läden, sondern auch mit dem Deutschen Weihnachtsmuseum in der Herrngasse. Ebenso bleiben die Weihnachtswelten in Berlin, Oberammergau, Heidelberg, Rüdesheim, Nürnberg und Bamberg bestehen. Lediglich der örtliche Souvenirladen in der Oberen Schmiedgasse („Passage 12“ genannt) wird geschlossen.

Keine Immobilien-Verkäufe geplant

Der Laden am Grünen Markt (der wie geschlossen wirkt) bleibt, wird aber wie schon bisher nur saisonal ab Oktober als zusätzlicher Weihnachtsladen genutzt. Mit der notwendigen Gebäudesanierung im Altstadtzentrum wollte man schon letztes Jahr beginnen – aber aufgrund der finanziellen Auswirkungen ist die Rückstellung um drei Jahre nötig, wie Harald Wohlfahrt betont. In Rothenburg seien derzeit weder Verkäufe von Mühlen im Taubertal noch sonstige Gebäude-Verkäufe geplant. Auch das Lager in Neusitz bleibt bestehen. Wohlfahrt gehört zu den größten Immobilien-Besitzern in Rothenburgs Altstadt, wo man froh ist Haus-Eigentümer zu haben, die Gebäude erhalten und nutzen.

Geschäftsführer Harald Wohlfahrt kann die Tradition in Familienhand fortsetzen. Foto @ Rolf Diba

Die Erneuerung des Unternehmens sieht die Optimierung und die Straffung der Sortimente vor. Dazu gehört auch eine höhere Wirtschaftlichkeit durch verbesserte Abläufe und ein stärkeres Umsatzwachstum im Internet-Handel. Der hat bislang nur eine bescheidene Rolle gespielt, weil Wohlfahrt aus Prinzip auf den persönlichen Kundenkontakt in den Läden gesetzt hatte.

Nun werde der Sanierungsplan zügig umgesetzt. Dass die Familie weiterhin 100 Prozent der Gesellschaftsanteile hält ist gute Voraussetzung für den absehbaren weiteren Generationenwechsel. Im Sinne seiner Eltern, die 1977 das Geschäft in Rothenburg begründeten, könne die Familientradition weiter fortgeführt werden, freut sich Geschäftsführer Harald Wohlfahrt und hofft auf ein baldiges Ende der Corona-Einschränkungen, um endlich wieder zu normalem Geschäftsbetrieb zurückkehren zu können.                                                                              ROLF DIBA

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