
ROTHENBURG – Die Sorge, dass wegen der Insolvenz des Bauträgers ProBau GmbH mitten in Rothenburgs Altstadt eine Rohbau-Ruine und leere Fläche bleiben könnte, ist vorerst gebannt: bis Ende 2026 sollen die bestehenden Neubauten bezugsfertig werden und man möchte sogar dieses Frühjahr mit dem zweiten Bauabschnitt beginnen. Für die Gläubiger geht das nicht ohne Einschnitte, die Wohnungskäufer können erstmal aufatmen.
Alle Beteiligten sind froh, dass es auf dieser größten Altstadt-Baustelle nicht zum völligen Stillstand gekommen ist, sondern sich die dort tätigen Firmen und Handwerker und vor allem die finanzierende Bank als Hauptgläubiger auf den Weiterbau verständigt haben. Sowas ist freilich nur möglich, wenn bei einer Insolvenz noch genügend Masse vorhanden ist, wobei es um das gesamte pfändbare Vermögen und Einkommen geht. Da war es gut, dass die Rohbauten schon standen.
Am 1. Juni 2025 war das Insolvenzverfahren am Amtsgericht Ansbach eröffnet worden, bereits seit Ende März lief das vorläufige Insolvenz-Verfahren. Der Bauträger-Geschäftsführer Gerald Kümmerle aus Dinkelsbühl hatte von Anfang an auf eine Einigung für den weiteren Ausbau gehofft. Seine anderen Bauprojekte, wie das in der Stollengasse geplante neue Wohngebäude sind nun obsolet. Die Firma (Spezialist für sanierungsbedürftige Altstadt-Immobilien) wird am Ende mit allen Baustellen abgewickelt sein, auch in Dinkelsbühl und Crailsheim sind noch Häuser oder Grundstücke der ProBau GmbH zu veräußern. Die sechs Büromitarbeiter in Dinkelsbühl hoffen woanders unterzukommen.
Handwerker weiter beschäftigt
Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Dr. Hartmut Krüger, Nürnberg, betont, dass alle Mitarbeiter und Handwerker bereit waren, am begonnenen Bau weiter mitzuarbeiten, ebenso wie der Geschäftsführer weiter berät. Krüger: „Damit konnte ich als Insolvenzverwalter auch den Kunden und Vertragspartnern signalisieren, dass die Vereinbarungen erfüllt werden!“
Gleich nach Insolvenzeröffnung seien die Arbeiten wieder aufgenommen worden und der Rohbauabschluß mit Dachkonstruktion erfolgt, die Elektro-Installation laufe bereits. Ebenso sind laut Dr. Krüger die Sanitärarbeiten und der Trockenbau im Gange. Rund die Hälfte der Gebäudedächer ist zu Jahresbeginn gedeckt und es soll die nächsten Tage weitergehen, dann werden auch die Fenster eingebaut, heißt es.
Auf dem sogenannten Schopf-Areal (benannt nach dem früher dort ansässigen Einzelhandelsunternehmen) war eine Investition über 9,5 Millionen Euro in neue Immobilien geplant. Das Gelände ist ein Geviert zwischen Galgengasse, Schrannengasse und Hirtengasse. Der dafür Ende 2021 vorgesehene Baubeginn verzögerte sich erheblich, lange herrschte Stillstand. Man geriet mitten in die Corona-Pandemie, die wirtschaftliche Einbrüche nach sich zog. Der Probau-Geschäftsführer sieht darin den entscheidenden Grund der finanziellen Probleme seines Unternehmens.
Oberbürgermeister Dr. Markus Naser begrüßt es ebenso wie der Stadtrat, dass jetzt zügig weitergebaut wird. Schließlich hatte die Stadt über viele Jahre gute Erfahrungen (abgesehen von vereinzelter denkmalpflegerischer Kritik) mit dem Dinkelsbühler Unternehmen gemacht. So mit Altbausanierungen in der Herrngasse, der Klingengasse und im Alten Stadtgraben, wo ingesamt laut Gerald Kümmerle 4,2 Millionen Euro für 27 modernisierte Wohnungen ausgegeben wurden.

Das von den Marketingleuten als „Tauberquartier“ bezeichnete Projekt war schon für Februar 2023 als bezugsfertig gedacht. Mit Eigentums-Wohnungen, die je nach Größe für 270.000 bis 350.000 Euro zu haben sein sollten; für eine halbe Million Euro wurde eine 98qm-Dachgeschoß-Wohnung in der Werbeschrift der Immobilien-Abteilung Volksbank Hohenlohe e.G angepriesen. Die zusätzlichen Bestandssanierungen mit Wohnungen und Gewerbeflächen in der angrenzenden Galgengasse 1 und 3 sind schon länger erfolgt, das waren allein nochmal 5,3 Millionen Investition geht aus einem Papier der ProBau hervor.
Im laufenden Neubau-Abschnitt A sind immer noch vier von 15 Wohnungen zu verkaufen, erfahren wir auf Nachfrage. Bis zum 30. September 2026 sollen alle Wohnungen bezugsfertig sein. Dabei wird jede mit einer Wärmepumpe ausgestattet. Eine Planänderung ergab sich bei der Tiefgarage, wo man den ursprünglich vorgesehenen Pkw-Aufzug gestrichen hat und eine Zufahrtsrampe anlegt, was zwei Stellplätze weniger bedeutet. Doch das sei eine sinnvolle, vor allem langfristig kostengünstigere Lösung, heißt es.
Noch Käufer gesucht
Für die zehn Wohnungen im zweiten Bauabschnitt sucht man noch genügend Käufer, denn ohne deren Anzahlung fehlen die notwendigen Mittel. Bisher seien schon zwei Wohnungen verkauft sowie mehrere Interessenten vorhanden, wie der Geschäftsführer betont, denn die Altstadt-Lage sei bei Anlegern gefragt. Anwalt Dr. Krüger meinte im Gespräch, gut wäre es, als Grundlage wenigstens die Hälfte unter Vertrag zu haben. Käufer der Eigentumswohnungen sind neben Selbstnutzern auch Anleger von außerhalb, die Wohnungen vermieten und steuerlich geltend machen. Die Bezahlung erfolgt üblicherweise nach Baufortschritt, die bisherige Anzahlung hat bei 25 Prozent der Kaufsumme gelegen.
Es dürften inzwischen deutlich über zehn Millionen Euro für die beiden Bauabschnitte aufzuwenden sein. Dr. Krüger: „Nun, da die Bauarbeiten voranschreiten, suchen wir wieder Investoren, die die einmalige Chance auf eine Neubauwohnung im Altstadtkern nutzen wollen“. Somit würde die jetzt noch bestehende Baulücke zur Hirtengasse geschlossen.
Dann wäre dieses Altstadtareal enger bebaut als vorher– in einer dichteren, mehrgeschossigen Wohnbebauung, als es in bunten Prospekten und einer digitalen Animation (mit viel Grün und Bäumen) den Anschein hatte. Der Probau-Geschäftsführer betont dazu, dass man nach intensiver Abstimmung genauso gebaut habe, wie von der Stadtverwaltung letztlich genehmigt. Kritiker freilich sehen nicht unbedingt die Kriterien des Nachkriegs-Wiederaufbaus umgesetzt wie er als „Rothenburger Weg“ propagiert wird. Neue Wohnungen haben beim Stadtrat Priorität. Schließlich bot das mittelalterliche Rothenburg noch bis in die Vorkriegszeit viel mehr Gärten und offene Hinterhöfe, als man angesichts der durchgängigen Haus-an-Haus-Bebauung vermuten würde.

Für den Verkauf von Eigentumswohnungen herrschen nicht die besten Voraussetzungen: aktuell stehen drei große Wohnbauvorhaben in Rothenburg an, davon zwei in Altstadtnähe und eines im östlichen Siedlungsgebiet. Woher aber sollen die finanzkräftigen Käufer alle kommen und wer bezahlt die höheren Mieten? Die alte Reichsstadt ob der Tauber hat zwar jährlich ca. 2,5 Millionen Besucher, aber bleibt doch ein „weltberühmtes Touristenstädchen“ mit nur 11400 Einwohnern und stagnierender Bevölkerungsentwicklung!
Zu den Verlierern bei einer solchen Bauträger-Insolvenz gehören häufig neben einer finanzierenden Bank die am Bau beteiligten Firmen, die dann auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssen. Der ProBau-Geschäftsführer betont, dass die Handwerker weiter beschäftigt sind und bereits für ihre Leistungen bezahlt worden seien. Wie hoch freilich am Ende des Verfahrens die Gläubiger-Quote ausfällt, vermag Rechtsanwalt Dr. Krüger noch nicht zu beziffern, spricht aber von einem „guten, zweistelligen Bereich“.
Zum Start ins Jahr 2026 gibt man sich zuversichtlich, was den Weiterbau bis zur Bezugsfertigkeit und den ausstehenden zweiten Bauabschnitt anbelangt. Wenn es wie geplant läuft, so der Insolvenzverwalter, könnten sogar diese Wohnungen im nächsten Jahr 2027 bezugsfertig werden. ROLF DIBA































