Gibt es einen neuen Oberbürgermeister? – Die meisten erwarten Stichwahl

Gibt es einen neuen Oberbürgermeister? – Die meisten erwarten Stichwahl

50
0
Beim Triell von FormatF die drei Kandidaten Vogel, Rösch, Naser auf dem Podium, links Moderator Rosenberger. Foto © rolf diba

ROTHENBURG – Mit der Wahl des Stadtoberhaupts ist das so eine Sache in der ehemaligen Reichsstadt, denn es gab schon öfter Überraschungssieger. Diesmal strebt der Amtsinhaber Dr. Markus Naser, FRV (Freie Rothenburger Vereinigung) eine zweite Amtsperiode an, wird aber von Florian Vogel (CSU) und Christoph Rösch (SPD) – den neuerdings die Grünen unterstützen – herausgefordert. Alle drei kommen aus Rothenburg, was eine Besonderheit für die Kommunalwahlen am 8. März 2026 darstellt.

Wie geht es der Stadt? „Nicht schlecht“, sagen die meisten, wenn man nachfragt, doch einige fügen hinzu: „Manches könnte man besser machen“. Dass dieses grobe Meinungsbild zu stimmen scheint, ergibt sich beim Studium der Wahlaussagen in Broschüren, bei Versammlungen und aus den viel bespielten sozialen Medien. Daraus erfährt man auch von grundlegenden Gemeinsamkeiten. So wollen alle drei natürlich das örtliche Krankenhaus im ANregiomed-Verbund erhalten und sehen auch dessen regionale Bedeutung für das württembergische Umland. Und alle wollen die Lebensqualität in der Stadt weiter verbessern. Unterschiede zeigen sich dann im Konkreten, manchmal aber sind es nur Feinheiten.

Der 47jährige Fortsamtsleiter Florian Vogel, hat als CSU-Mann den Slogan gewählt „Rothenburg kann mehr“ und meint, im Rathaus müsse man besser auf Bürgerwünsche eingehen und generell „mehr agieren statt nur reagieren“. Und auch der SPD-Kandidat und Verwaltungsfachmann Christoph Rösch,33, überschreibt die Kampagne ähnlich, wenn er betont „Es geht auch anders!“ Er möchte den Arbeitsstil verändern, betont aber das Machbare und hält nichts von Versprechungen.

OB verweist auf Geleistetes

„Mehr als Worte – Dr. Markus Naser!“ Mit diesem Wahlspruch kontert der 45jährige Oberbürgermeister und verweist auf eine Positiv-Liste mit dem, „was wir in den letzten sechs Jahren gemeinsam erreicht haben!“ Seinen Amtsvorteil versteht er auszuspielen, das wissen die Mitbewerber. Dr. Naser war 2020 der Überraschungssieger gegen die CSU-Bewerberin Martina Schlegl (damals Schulleiterin am Gymnasum Tauberbischofsheim) und gegen den auswärtigen SPD-Bewerber Harry Scheuenstuhl.

Verweist auf Erfolge und will Oberbürgermeister bleiben: Dr. Markus Naser (FRV). Foto © rolf diba

Dr. phil. Markus Naser kam von der Uni Würzburg (Lehrstuhl Landesgeschichte) und war Vorsitzender des Vereins Alt-Rothenburg als er 2020 kandidierte und Hartl nicht mehr antrat. „Ich habe mich schnell ins Amt eingearbeitet und es macht mir bis heute Spaß“, betont er und verweist auf Ergebnisse. Rothenburg sei durch Schulinvestitionen als Bildungsstandort gestärkt und die Kinderbetreuung ausgebaut worden, das Wildbad sei gerettet, die Jugendherberge bleibe bestehen, Wohnbaugebiete entstünden, der Tourismus entwickle sich qualitativ gut und im Stadthaushalt habe man die Schulden von 22 auf 16 Millionen reduziert. Hervorragend wirtschaftende Stadtwerke, ein dichtes Glasfasernetz und viele laufende Investionen verbesserten die Infrastruktur. Bei manchem konnte Dr. Naser auf schon vorhandene Grundlagen (auch des Vorgängers) aufbauen. Er betont die Zusammenarbeit im Stadtrat und „gemeinsam Erreichtes“.

Vogel für mehr Miteinander

Gut verankert in der Bevölkerung sieht sich Herausforderer Florian Vogel, der an der TU München Forstwissenschaften studiert hat und jetzt mit der Rothenburger eine der großen Staatsforstverwaltungen leitet. Klimaschutz ist ihm ein naheliegendes Thema, da sieht er auch in der Stadt noch Optionen, Verwaltung sei ihm nicht fremd, betont er. Als Bürgermeister Bezold kennt man ihn vom Festspiel und als Umweltbeauftragten beim Taubertalfestival. Seine Leidenschaft gehöre der Stadt und da möchte er einiges verbessern, wozu mehr Nachhaltigkeit gehört.

Florian Vogel will für die CSU den OB-Sitz erobern und setzt auf mehr Miteinander. Foto © rolf diba

Die Altstadt müsse attraktiver fürs Wohnen und Leerstände sollten beseitigt werden. Vogel möchte im ehemaligen Goethe-Institut (Herrngasse) einen Begegnungsort für alle (auch für Vereine, Gruppen und Gremien) einrichten. Im Verkehrswesen fordert er eine weitere Fußgängerzone und Verkehrsberuhigung in der Altstadt plus ein Parkkonzept für die Neustadt. Mehr Unterstützung der Unternehmen und eine effektive Kindergarten- und Kita-Planung stehen ebenso wie soziale Fürsorge inklusive eines Kulturbusses auf seiner Liste. In vielem wisse man nicht, wohin sich die Stadt entwickeln solle, das möchte er ändern, für eine klare Leitplanung sorgen und dazu im ständigen Austausch und Gespräch mit den Bewohnern bleiben.

Rösch betont Machbares

Mitbewerber Christoph Rösch, 33jähriger Regierungs-Oberinspektor, wäre im Falle seines Wahlsiegs sogar das vierte SPD-Stadtoberhaupt seit Kriegsende. Die CSU schaffte es bisher nur einmal. Als jüngster Bewerber kann er auf gute Vorkenntnisse verweisen. So hat er an der Uni Passau Staatswissenschaften studiert und den Diplom-Verwaltungswirt gemacht sowie auf seiner Beamtenlaufbahn Stationen im Landratsamt Würzburg und bei der Regierung Unterfranken durchlaufen. Als langjähriger SPD-Ortsvereinsvorsitzender sowie Stellvertreter im Kreis engagiert er sich ebenso politisch wie sozial in anderen Ehrenämtern.

Mit neuem Stil will Christoph Rösch wieder für die SPD das Amt des Oberbürgermeisters schaffen. Foto © rolf diba

Sein sachliches Argumentieren bei der großen Podiumsdiskussion der drei Kandidaten Ende Januar hat viel Anerkennung gefunden, wie er feststellt. Zum Krankenhaus kritisiert er ein „von Anfang an fehlendes tragfähiges Konzept“, betont jedoch wie sehr die Kommunalpolitik in die Landes- und Bundespolitik eingebunden ist. Zur Schuldenlage der Stadt meint Rösch, die Haushaltsstruktur sei dringend zu verbessern. Man müsse offen diskutieren, was sich die Stadt künftig leisten könne, was besser zu machen oder nicht zu finanzieren ist. Digitalisierte Arbeitsplätze für Pendler sieht er als Chance, will den sozialen Wohnungsbau verstärken, und eine aktive Unterstützung der Bürger beim Klimaschutz. Mit Transparenz und neuem Stil im Rathaus lasse sich einiges bewegen.

Der Sozialdemokrat kann sich neuerdings über unerwartete Unterstützung freuen: der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen spricht sich offiziell für Rösch aus. Mit ihm habe man „die größte Schnittmenge“ bei den kommunalpolitischen Themen.

Wahl-Historie näher beleuchtet 

Ein Blick in die örtliche OB-Wahl-Historie nach dem Krieg zeigt, dass die SPD am erfolgreichsten war, sie stellte mit Friedrich Hörner das 1945 von den Amerikanern eingesetzte erste Stadtoberhaupt. Hörner wurde danach auch gewählt und amtierte bis 1952, ehe ihn der parteilose Erich Lauterbach (später FDP-Mitglied) ablöste und bis 1964 im Amt war, dann in Ruhestand ging. Die damalige OB-Wahl verlief im Ergebnis sensationell, als der 35jährige SPD-Kandidat Regierungsrat Alfred Ledertheil aus Nürnberg mit 151 Stimmen mehr gewählt wurde. Sein Gegenkandidat Verwaltungsgerichtsrat Dr. Siegfried Rittelmeyer hatte als Kandiat des bürgerlichen Lagers von FDP,  CSU und FRV das Nachsehen.

Auch 1970 verlor das bürgerlich-konservative Lager erneut gegen Alfred Ledertheil trotz eines Top-CSU-Kandidaten aus München: den Oberregierungsrat Dr. Helmut Schwaabe, persönlicher Referent von Ministerpräsident Alfons Goppel, der damals sogar persönlich zum Wahlkampf in die Stadt gekommen war. Im Stadtrat waren die Sozialdemokraten in den Siebzigern mit neun Sitzen stärkste Fraktion.

Oskar Schubart (Mitte) bescherte der CSU ihren größten Erfolg bei den OB-Wahlen in den letzten Jahrzehnten. Erich Landgraf (links) sollte ihm für die CSU folgen, unterlag aber 1988 gegen den Sozialdemokraten Herbert Hachtel. Rechts Staatsminister Hans Maurer. Foto: dibas Pressearchiv

Nur 1976 bis 1988 stellte die CSU den mit dem Rothenburger Bankdirektor Oskar Schubart den OB im Rathaus, der durch seine Liberalität zeitweise in eigenen Parteikreisen aneckte. Als er nicht mehr antrat folgte  erneut ein Sozialdemokrat: der Rothenburger Konrektor Herbert Hachtel gewann in der Stichwahl überraschend gegen den erfolgversprechenden und zunächst deutlich vorne liegenden CSU-Kandidaten Dipl.-Ing. Erich Landgraf aus Marktbreit. Der Grünen-Kandidat und Jurist Uwe Schreiner hatte in der ersten Runde mit 22,6 Prozent der Stimmen beeindruckt.

Bis 2006 regierte die SPD, als nach Hachtel die nächste Überraschung folgte und 2006 der parteilose erst spät aufgetretene Bewerber Walter Hartl als erfahrener Verwaltungsfachmann aus der Stadtverwaltung Heilbronn antrat. Dieser stach damals sowohl den CSU/FRV-Bewerber Touristikfachmann Jochen Müssig aus Tauberbischofsheim  wie auch den Rothenburger SPD’ler Kurt Förster aus. Als Hartl nach zwei Amtsperioden nicht mehr antrat, entschieden sich die Rothenburger mit Dr. Markus Naser von den Freien Rothenburgern (FRV) erneut für einen Parteiunabhängigen, während die  CSU mit Martina Schlegl und die SPD mit Harry Scheuenstuhl das Nachsehen hatte.

Der bis heute fair verlaufene OB-Wahlkampf wurde intensiv geführt. Er ist auch im Zusammenhang mit den Stadtrats- und Kreistagswahlen zu sehen. Bislang sind die 24 Ratssitze so aufgeteilt: CSU 6 Sitze, SPD 5, Freie Rothenburger Vereinigung (FRV) 5, Unabhängige Rothenburger (UR) 4 Sitze und Bündnis90/Grüne 4 Sitze. Mehrere altgediente Ratsmitglieder scheiden aus, somit könnte es einige Verschiebungen geben. Falls es zu einer Stichwahl kommt, womit die meisten rechnen, so muß diese zwei Wochen später am 22. März 2026 stattfinden und es wird möglicherweise nochmal richtig spannend.         ROLF DIBA