ROTHENBURG – Mit einem sensationellen Ergebnis bei der Oberbürgermeisterwahl hat der 33jährige SPD-Bewerber Christoph Rösch in der Stichwahl den Amtsinhaber Dr. Markus Naser von der FRV ausgestochen, der es damit nicht in eine zweite Legislaturperiode geschafft hat. Es war mit einem knappen Ergebnis gerechnet worden, aber nicht damit, daß der Herausforderer gleich 61,6 Prozent holt und Naser in der Stichwahl vom 22. März 2026 nur noch auf 38,4 Prozent kommt.
Christoph Rösch konnte sein Glück am Wahlabend kaum fassen, als er im Rathaus die Meldungen aus den Wahlbezirken verfolgte: „Ich habe mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen gerechnet, auch wenn ich positiv gestimmt war. Insofern überrascht mich jetzt die Deutlichkeit des Ergebnisses umso mehr!“ Die Freude bei ihm und seiner Parteikollegin Michaela Ebner ist besonders groß, den die beiden SPD-Vorsitzenden sind auch absolute Stimmengewinner der Partei auf Stadt- und Kreisebene.
Die Wahlbeteiligung lag mit 55,8 Prozent diesmal einiges niedriger als zwei Wochen zuvor (60,9 Prozent), als Rösch schon mit 40,3 Prozent auf den ersten Platz kam, was er auch nicht erwartet hatte. Amtsinhaber Dr. Markus Naser, FRV, folgte knapp mit 39,1 Prozent. Der dritte Bewerber Florian Vogel, CSU, schied mit 20,6 Prozent aus.
Neue Ideen gefragt
Beim Rückblick auf den Verlauf des Wahlkampfes, so Christoph Rösch, interpretiere er die Kommunalwahlen so, „dass die Rothenburger wirklich die Zeit gekommen sehen für frische Ideen“, denn es seien viele neue Leute in den Stadtrat gewählt worden, die etwas ändern wollten. Das habe sich letztlich bei der OB-Wahl niedergeschlagen. Ihm ist die Freude über den riesigen Erfolg anzusehen, wenn er sagt: „Diese Stimmung zur Veränderung habe ich wahrgenommen und dass es jetzt so deutlich geworden ist, das macht mich unheimlich dankbar!“
Bisheriger Amtsinhaber enttäuscht
Oberbürgermeister Dr. Markus Naser, der 2020 selbst als Kandidat der Freien Rothenburger Vereinigung ein Überraschungssieger war, hatte mit solch einem klaren Ergebnis nicht gerechnet und hätte gerne die aus seiner Sicht erfolgreiche Arbeit fortgesetzt. In der Zusammenkunft am Abend im Kreis der FRV zeigten sich auch seine Unterstützer sehr betroffen. In der ersten öffentlichen Erklärung im Internet von Dr. Naser wendet er sich noch am Abend an seinen Nachfolger:
„Meinen Glückwunsch an Christoph Rösch zur Wahl zum neuen Oberbürgermeister von Rothenburg ob der Tauber. Ich wünsche ihm eine glückliche Hand und der Stadt Rothenburg weiterhin alles Gute!“ Sein herzlicher Dank galt den zahlreichen engagierten Unterstützern von der FRV (5 Sitze im Stadtrat) und ebenso „allen Wählerinnen und Wählern, die mir ihre Stimme geschenkt haben“. Er habe sich die letzten sechs Jahre gerne und engagiert für die Belange Rothenburgs eingesetzt, hatte er schon in einem Vorgespräch erklärt.
Am 1. Mai 2026 wird der neue Oberbürgermeister sein Amt antreten, wie möchte er starten? Ganz wichtig ist es ihm, die Kommunikation mit den Bürgern zu verbesssern, unterstreicht Rösch. Es seien viele Ideen an ihn im Wahlkampf herangetragen worden und auch aus dem neuen Stadtrat kämen sicher Vorschläge – das wolle er „aufgreifen, sortieren und zusammenbringen“. Der Wähler brauche das Signal, das es vorangehe. Der Rothenburger macht deutlich, dass er aufgeschlossen und sachlich an die Themen herangehen möchte und sagt: „Man muß sich da jetzt erst einarbeiten“.

Knüller auch bei Wahl des Landrats
Auch auf Ansbacher Kreisebene hat es am Stichwahl-Sonntag ein sensationelles Ergebnis gegegeben: nach 14 Jahren Amtszeit erlitt Dr. Jürgen Ludwig von der CSU mit 21,6 Prozent eine riesige Abfuhr. Beachtliche 78,4 Prozent konnte Marco Meier (Bürgermeister der Stadt Ornbau) als Kandidat der Freien Wähler auf sich vereinigen!
Nicht mal alle Parteigenossen hatten dem jungen Christoph Rösch ein solches Ergebnis zugetraut, aber nun belegt er sogar in der Nachkriegs-Wahlhistorie einen herausragenden Platz. Er ist mit 33 Jahren noch jünger als der Jurist und Sozialdemokrat Alfred Ledertheil, der 1964 mit 35 Jahren als „Linker“ das geschlossene Bürgerliche Lager mit seinem Wahlsieg regelrecht überrumpelt hatte. Die SPD stellt mit Rösch bereits zum vierten Male das Stadtoberhaupt, was die CSU nur ein einziges Mal geschafft hat: 1976 bis 1988 mit dem Bankdirektor Oskar Schubart, der als Liberaler galt.
































