Hat der Lotosgarten eine Zukunft mit Kita?

Hat der Lotosgarten eine Zukunft mit Kita?

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Eigentümerin Ursula Leyk hofft, dass der Lotosgarten in gute Hände kommt. Foto © rolf diba

ROTHENBURG – Als „Kleinod des Mittelalters“ und als „romantische Stadt“ ist Rothenburg weltberühmt – aber nur Kenner wissen, dass seit Jahren zigtausende Besucher abseits der üblichen AltstadtWege auch den asiatischen Lotosgarten außerhalb besucht haben. Jetzt wird die Erholungs-Oase der Firma Leyk-Lichthäuser verkauft. Ein Nachfolger ist gefunden, der das meiste erhalten und sogar um eine Kita ergänzen will. Obwohl die Stadt und zuständige Ämter das Projekt befürworten, gibt es ein rechtliches Hindernis: die Lage im Gewerbegebiet. Man hofft auf eine Ausnahmegenehmigung.

Vor rund 14 Jahren haben Bernd Schulz-Leyk und Ursula Leyk die Grundlage des Lotosgartens aus kleinen Anfängen und der Vorliebe für asiatische Gärten geschaffen. Die Entstehungsgeschichte der Firma Leyk reicht bis 1983 zurück und verläuft ähnlich wie bei Käthe Wohlfahrt. So ging es auch mit den  ersten Leyk-Lichthäusern auf Weihnachtsmärkten los. Ursula Leyk, damals noch in Aichtal (bei Stuttgart), hatte für die kleine Tochter Spielsachen gebastelt und aus Hobby auf Weihnachtsmärkten der Gegend angeboten. Die Artikel waren so gefragt, dass die Herstellung schon bald zum Beruf wurde.

Man suchte eine neue Bleibe und fand sie 1986 in Wörnitz bei Rothenburg,  wo in einer Scheune produziert wurde. Als das nicht mehr ausreichte, zog man 1991 ins Rothenburger Gewerbegebiet am Igelsbach, um dort eine Produktionshalle zu bauen. Auf dem 1,5 Hektar großen Hanggelände kamen die Leyks bald ins Träumen und begannen die Wiesen nach und nach in einen Garten nach asiatischem Vorbild zu verwandeln. Sogar originale Details aus Asien importierte man dafür; Wasserläufe, Teiche und Stege wurden angelegt,  eine bunte Pflanzenvielfalt ließ den Garten jedes Jahr neu erblühen. In Teehäusern und Pavillons entspannten die Gäste vom Alltag.

Lotos oder
So schön blühte es im Sommer im Lotosgarten der Firma Leyk. Foto © rolf diba
 Immer mehr Besucher fühlten sich in dem  kleinen Natur-Paradies wohl, etliche wurden Stammgäste. Gruppen und Busreiseveranstalter buchten  den Lotosgarten als Ausflugsziel.  In der Kombination von Cafe, Geschenke-Laden und Produktion habe sich das finanziell getragen, sagen Eigentümerin Ursula Leyk und Andrea Fetzer (die seit 14 Jahren schon dabei ist und das Restaurant bewirtschaftet hat), beide sind auch in der Geschäftsführung.

Das Ehepaar Leyk dachte bereits vor Jahren daran ihr Lebenswerk gut geordnet weiterzugeben und suchte Nachfolger. Die Erfüllung des Wunsches, dann gemeinsam mit einer Schiffsreise in den Ruhestand zu starten, war dem Ehepaar jedoch nicht mehr vergönnt, denn im April ist Bernd Schulz-Leyk verstorben. Der Lotosgarten wurde zum Saisonende geschlossen.

Faszinierende Welt der Leyk-Lichthäuser: nach 42 Jahren und dem Abverkauf bleiben nur noch Sammlerstücke. Foto © rolf diba

 Umso beruhigender war es für Ursula Leyk, in dem Ansbacher Unternehmer Stefan Endreß (bekannte Firma für Medizintechnik) einen solventen Käufer an der Hand zu haben. Schon vor längerer Zeit  hatte dieser  sein Konzept der Stadt als Voranfrage

Andrea Fetzer war bei den Gästen geschätzt und beliebt. Foto © rolf diba

präsentiert und zwar mit Nutzungsänderung, weil man neben dem Garten eine Kita plant. Rund 1,3 Millionen sollen in den Aus- und Neubau investiert werden, sagt uns der Bauwerber.

Christliches Familienzentrum

Man möchte auf dem Gelände ein christliches „Familienzentrum“ des Vereins „Move and Shine“ (der in Rothenburg verwurzelt ist) errichten. Eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), so Stefan Endreß, würde das Leyk-Areal kaufen. Sein Bruder Klaus (Geschäftsführer der Endreß-Holzfeuerungsanlagen GmbH  Burgbernheim)  sei einer der Gesellschafter. Die beiden sind Enkel von Hans Endreß aus Rothenburg-Vorbach und dieser hat schon Ende der sechziger Jahre  mit umweltfreundlichen Werkstattöfen für Altölverbrennung auf sich aufmerksam gemacht, doch es fehlte damals das Kapital für den Ausbau. Klaus Endreß knüpft daran wieder an.

Was aber hat es mit dem englisch betitelten gemeinnützigen Verein „Move and shine“ auf sich? Es begann 2009  mit christlichen Jugendhauskreisen, ehe man 2011 den Verein „City Church Rothenburg e.V.“ gründete, aus dem schließlich „Move and Shine e.V.“ mit Sitz in Windelsbach wurde. Markus Heese steht ihm vor, Stefan Endreß ist 2. Vorsitzender und antwortet: „Es ist einfach nur ein überkonfessioneller, gemeinnütziger Verein, der versucht  Gutes zu bewirken. Grundlage dafür ist unser Glaube an den Gott der Bibel und das christliche Glaubensbekenntnis!“

Besucher im sommerlichen Lotosgarten – eine beliebte Oase der Entspannung. Foto © Rolf diba
 In diesem christlichen Geist solle  der Lotosgarten mit Cafe und Bewirtung künftig offen weiterbetrieben werden, jeder sei dort willkommen, heißt es. Die alte Produktionshalle soll zur viergruppigen Kindertagesstätte plus Kinderkrippe werden. Außerdem ist ein Veranstaltungssaal auch für Gottesdienste vorgesehen. Im Rothenburger Forum-Kino finden schon seit Jahren regelmäßig gut besuchte Gemeinschaftstreffen statt (Predigt-Videos dazu gibt es zahlreich auf  dem Youtube-Kanal zu sehen, meist geht es um Bibel-Interpretationen). Es hat sich in der Tauberstadt und Umgebung  eine  engagierte christliche Szene entwickelt (nicht mit Freikirchen zu verwechseln), die von Familien und bemerkenswert vielen jungen Leuten getragen wird.

Eltern begrüßen den Standort

„Wir freuen uns sehr, dass ‘Move and shine‘  ein Familienzentrum errichten möchte und haben das intensiv und wohlwollend geprüft“, betont OB Dr. Markus Naser auf Anfrage. Auch vom Stadtrat sind die Signale zustimmend.  Doch die neue Nutzung kollidiere mit den Festlegungen eines Gewerbegebietes wegen der Emissionen umliegender Betriebe. Eine Kita sei deshalb rechtlich dort nicht möglich, erklärte kürzlich Stadtbaudirektor Knappe.  Der Bauwerber sieht das nicht so und verweist unter anderem auf eine Warte-Liste von Eltern, die ihre Kinder gerne dort anmelden wollen und sich keineswegs am Standort bzw. den vorhandenen Betrieben störten.

Die Stadtverwaltung will ein noch ausstehendes Emmissionsgutachten eines benachbarten Wiederverwertungsbetriebes abwarten, ehe man sich mit dem Kita-Bauantrag befaßt, der einreichungsfertig vorliegt. Endreß hofft auf die Ausnahmegenehmigung, für die er viele Gründe sieht. Zumal es ein Gewerbe- und kein Industriegebiet (mit viel strengeren Vorschriften) ist.  Eine naturverbundene Kita am Lotosgarten erweitere auch das städtische soziale Angebot. Dank privater Investoren lägen Herstellungs- und Betriebskosten der Kita „weit unterhalb des üblichen Niveaus“ macht Endreß deutlich und der Lotosgarten könne mit Cafe und Restaurant ein Anziehungspunkt für Besucher bleiben.

In den ehemaligen Werkstätten könnte nach Umbau eine Kita unterkommen. Foto © rolf diba

Das Jugendamt habe die Vorlage geprüft und würde laut Endreß die Kita-Planung problemlos genehmigen. Hoffnungsvoll stimmt ihn auch  „dass aus Sicht zuständiger Stellen des Landratsamtes  der Entstehung eines Familienzentrums mit Kita im Leyk-Areal am Igelsbach nichts im Wege steht.“ Dies habe eine Nachfrage erst vor Tagen ergeben. Sollte es zur Ausnahmegenehmigung kommen, will man zügig beginnen. Stefan Endreß rechnet mit einem Jahr Bauzeit: „Wir würden gerne Anfang bis Mitte 2027 die erste Kita-Gruppe starten!“ Bis zum September 2027 sei dann an die Eröffnung des Familienzentrums und Lotosgartens mit dem kompletten Betrieb gedacht.

Die 42jährige erfolgreiche Leyk-Firmengeschichte ist leider zu Ende gegangen, die letzten Bestände aus der Keramikproduktion sind seit kurzem verkauft, aber der Wert der handbemalten bunten Lichthäuser mit ihrem einzigartigen Charakter bleibt erhalten, da die  Formen und Modelle nicht an Dritte weitergegeben werden. Ursula Leyk: „Die Lichthäuser bereiten unseren Sammlern weiterhin viel Freude, denn es sind Unikate!“ Ihr großer Wunsch ist nun, das „wertvolle Erbe Lotosgarten“ bald verkaufen zu können. Sie würde es bei dem gemeinnützigen christlichen Verein und den beteiligten Unternehmern in guten Händen sehen.                                               ROLF DIBA