
kultROTHENBURG – Peter Cahn wird Nachfolger des bisherigen künstlerischen Leiters Jürgen Eick am Toppler Theater Rothenburg! Mit dieser Nachricht überraschte der Vorstand des Trägervereins am Sonntagabend das Publikum bei der Derniere zum Saisonabschluß. Cahn war erst letztes Jahr als Intendant des Landestheaters Dinkelsbühl verabschiedet worden und hat sich jetzt auf fünf Jahre als Künstlerischer Leiter an der kleinen, aber sehr bekannten Profibühne verpflichtet. Er gilt als eine Größe in der fränkischen Theater-Szene.
Die 19. Spielsaison lief dort sehr erfolgreich, man erlebte die letzten Wochen nur noch ein ausverkauftes Haus und brachte über 6200 Zuschauer in den Theater-Klosterhof. „Das ist das beste Besucher-Ergebnis seit Gründung!” freut sich Theatervereins-Vorsitzender Jürgen Klatte mit dem Vorstand. Nach dem guten Start mit der Erstproduktion von „Jeeps“ folgte „Achtsam morden“, womit Regisseur Jürgen Eick sogar eine hundertprozentige Auslastung gelang. Im Schnitt aller Aufführungen waren es 80 Prozent. Neben den zwei eigenen Hauptproduktionen standen Jugend- und Kindertheater sowie Gastspiele auf dem Saison-Spielplan vom 25. April bis zum 30. August 2026. Alles in allem mit über 60 Aufführungen.
Schon mit der dreijährigen Verpflichtung des ehemaligen Ansbacher Gründungsintendanten Jürgen Eick, der vor zwei Jahren aus Freiburg nach Rothenburg kam, hatte das Theater einen weiteren Meilenstein in seiner erfolgreichen Entwicklung seit 2008 gesetzt. Jürgen Eick kann nun mit seinem Komödiensommer in der 142 Plätze zählenden Freilichtbühne im Hof des ehemaligen Dominikanerinnen-Klosters erleben wie gut sein Konzept ankommt. Dabei steckt er bereits in der Vorbereitung des Jubiläumsjahres 2027 zum 20jährigen Bestehen der staatlich anerkannten und geförderten Bühne. Den unerwarteten Ruf an das Apollo-Theater nach Siegen (ein Kultur- und Theaterhaus mit Millionenhaushalt und ganzjährigem Betrieb) wollte Jürgen Eick als einmalige Chance verständlicherweise nicht ausschlagen: „Sonst hätte ich gerne meine Arbeit an der Topplerbühne fortgesetzt, denn es macht hier sehr viel Spaß” betonte er. Als künstlerischer Berater wird er dem Theater auch von Siegen aus verbunden bleiben.
Mit Leidenschaft dabei
Den Übergang zu seinem früheren Intendanten-Kollegen Peter Cahn aus Dinkelsbühl betrachtet er ebenso wie der Vorstand als einen Glücksfall. Vor allem weil beide eine ähnliche Intention haben. Was aber hat Peter Cahn nach 24 erfolgreichen Jahren als Intendant des Landestheaters jetzt zur Bewerbung an der kleineren Bühne veranlaßt? Auf unsere Frage antwortet er: „Das Toppler Theater liegt mir seit seiner Gründung immer am Herzen, da ich überzeugt bin, dass Theater gerade in kleinen ländlichen Bereichen unglaublich wichtig für eine lebendige Kultur ist!”
Außerdem: „Das Gespräch mit dem Vorstand hat mich überzeugt, dass hier die gleiche Leidenschaft vorhanden ist und wir gemeinsam noch viel erreichen können!“ Peter Cahn: „Meine Lust, gerade in einem kleinen Theater zu arbeiten ist daher ungebrochen groß“. Die reibungslose Zusammenarbeit mit Jürgen Eick sei bei seiner Entscheidung eine wichtige Voraussetzung gewesen, um am Toppler Theater zu starten, denn es gehe „um Teamarbeit in allen Bereichen“. Und dies auch noch weitgehend ehrenamtlich.
Diese Einschätzung beruht offenbar auf Gegenseitigkeit, denn auch Jürgen Eick stimmt dem zu und meint über seinen Nachfolger: „Mit Peter Cahn konnte das Toppler Theater einen ausgewiesenen Theaterfachmann und erfahrenen Regisseur gewinnen, der nicht nur Mittelfranken bestens kennt, sondern mit seiner langjährigen Intendanz in Dinkelsbühl gezeigt hat, wie gutes und erfolgreiches Theater gemacht wird!“ Eick weiter: „Unter seiner künstlerischen Leitung wird sich das Toppler Theater auf allen Ebenen weiter entwickeln“.

Dafür hat der künstlerische Leiter Jürgen Eick mit seinem Komödiensommer auf der Freilichtbühne eine gute Voraussetzung geschaffen wie sich am diesjährigen Saisonverlauf schon zeigt. Eick: „Künstlerisch haben wir mit beiden Stücken im Komödiensommer 2026 ein ziemlich gutes Niveau erreicht, das den Begriff vom Sommertheater insofern erweitert hat, als man dem neugierigen Publikum mit ‚Jeeps‘ und ‚Achtsam Morden‘ sowohl gesellschaftskritische aktuelle Stücke, als auch gute Komödien im Hauptspielplan zeigen kann.“ Diese Spielzeit habe „das ganze Toppler Theater hinter und auf der Bühne zusammengeschweißt.“ hebt er hervor. Die Stücke für die nächste Saison stünden schon fest und es gebe wieder „eine gute Mischung aus Gesellschaftkritik, Komödie und einer weiteren Lektion in der Schule des Lachens“, verdeutlicht Jürgen Eick.
Als am Sonntag um 22 Uhr „der Vorhang fiel“ gab es anhaltenden Applaus für das Ensemble, die Regie und das ganze Team. Vorsitzender Jürgen Klatte und Stellvertreter Hans-Gerhard Gross vom Theaterverein dankten allen für ihr engagiertes und gutes Miteinander. Vor allem sind es ehrenamtlich Tätige, die den Betrieb zu finanzierbaren Kosten garantieren. Bis zum Schluß hatte man sich die schon länger geheimgehaltene „Nachricht des Abends“ aufgehoben: Der Vorstand bat den im Publikum sitzenden Peter Cahn auf die Bühne, der von seinem Kollegen Jürgen Eick vorgestellt wurde. Beide betonten, dass sie sich auf die Zusammenarbeit im Team freuen, um das Toppler-Theater weiter voran zu bringen. Viel Beifall war ihnen sicher. Und so kommt das Rothenburger Theater gewissermaßen nächstes Jahr vorübergehend zu „zwei Intendanten“ schmunzelten die beiden im Gespräch.
Nach dem personellen Übergang 2027/28 wird die Kontinuität in der künstlerischen Leitung mit der fünfjährigen Verpflichtung von Peter Cahn dann sogar bis zum 25. Jubiläum der Rothenburger Bühne reichen. Der nächstjährige Jubiläums-Spielplan wird gerade erstellt.
ROLF DIBA

































